„Wolfsgruß“ bei Veranstaltung mit türkischem Außenminister

Bildergebnis für wolfsgruß

Liebe Freunde,

in dem folgenden Artikel berichtet das HAMBURGER TAGEBLATT (Ausgabe: 08.03.2017) über diverse Geschehnisse bei einer kürzlich stattgefundenen Wahlveranstaltung des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu in Hamburg. Es geht hierbei um das Zeigen des sog. „Wolfsgrußes, einem Erkennungszeichen der türkischen nationalistischen „Grauen Wölfe“. Dabei empört man sich medial nicht etwa darüber, dass  dieses besagte Zeichen massenhaft aus der Menge der türkisch(en)-stämmigen  Besucher und Zuhörer zu sehen war, sondern, dass der türkische Außenminister und AKP-Angehörige diesen ebenso freudig und stolz erwiderte, und dadurch sich mit diesen Nationalisten zu verbünden schien. Für mich viel fragwürdiger erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass sich der hiesige Verfassungsschutz über dieses Geschehen überrascht, gar alarmiert zeigt. Was mich dann aber vor die fassungslose Frage stellt, wieso dann der hiesige Inlandsgeheimdienst und die Hamburger Behörden, ob der strategischen Annäherung der türkischen Nationalisten und konservativen Islamisten in unserem Land, in Gänze uninformiert zu sein scheinen? Denn schon in der Vergangenheit hatten deutsche Medien bereits darüber berichtet, dass es nach Jahrzehnten der politischen Trennung, bis hin zur regelrechten gegenseitigen Feindschaft, zwischen den vormals laizistisch geprägten nationalistischen und den muslimischen Türken, immer mehr zu engen und engsten Überschneidungen zwischen Organisationen beider Richtungen kam. In einem Beitrag des ZDF im Jahr 2015 erläutert z. B. ein Aussteiger die zunehmende Verschmelzung von Nationalismus und Islam (https://www.youtube.com/watch?v=kh4STDrjJBE&t=397s ) bei den „Grauen Wölfen“.

Nach der Machtübernahme durch die konservativ-islamische AKP unter Tayyip Erdogan 2002 (aus diversen rechtlichen Gründen konnte Erdogan damals aber nicht zum Ministerpräsidenten gewählt werden, sein Stellvertreter Gül wurde erster AKP-Ministerpräsident), bediente sich die AKP-Führung immer wieder wechselnder Bündnisse mit anderen oppositionellen türkischen Parteien, um ihre politischen Ziele zu erreichen und um für diverse in ihrem Sinne geprägten Gesetzesänderungen entspr. Mehrheiten gewinnen zu können. Mal gebrauchte sie dafür die sozialdemokratische (einst links-nationalistische) „Republikanische Volkspartei“ (CHP), ein anderes mal die „Partei der nationalistischen Bewegung“ (MHP). Parallel dazu kam es zu immer intensiveren Annäherungen zwischen den sogenannten „Idealisten“-Vereine (wie die „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealisten-Vereine in Deutschland“ / ADÜTDF) und islamische Institutionen in Deutschland (wie die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V“ / DITIB bzw. dem deutschen Ableger der „Union European Turkish Demokrats e. V. / UETD e.V.). Übrigens kann man im Logo der „Idealisten“ auch zwei Minarette erkennen, was m. E. selbst schon auf eine gewisse Nähe zum Islam hinweist! (https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6deration_der_T%C3%BCrkisch-Demokratischen_Idealistenvereine_in_Deutschland)

Die scheinbare Ahnungslosigkeit hiesiger Behörden und Geheimdienste erscheint einem schon recht frappierend, wo doch schon jeder nur halbwegs kompetente Google- und Youtube-Nutzer in Deutschland diese Tatsachen selbst auch recherchieren kann. Ich frage mich ernsthaft, womit sich die verantwortlichen bundesrepublikanischen Sicherheitsbehörden in Punkto Türkei und alles was dsbzgl. drumherum politisch geschieht denn dann beschäftigen, wenn ihnen wohl auch die Tatsache fremd zu sein scheint, dass es auf Grund der von Erdogan gewollten Verfassungsänderung in der Türkei im Vorfeld schon eine enge Kooperation zwischen AKP-Regierung und der nationalistischen MHP in der Vorplanung zum Verfassungsentwurf gab, weil man die Nationalisten für die Erreichung der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit im Parlament benötigte. Darüber hinaus ist Tayyip Erdogan und seine Regierungsmitglieder natürlich auch bemüht bei seinem Volksentscheid die nationalistischen Anhänger und Wähler auf seine Seite zu ziehen, wie geschehen in Hamburg. Vor diesem Hintergrund ist also diese Geste des „Wolfsgrußes“ vom türkischen Außenminister zu erklären. Damit kann ihm zwar eine Nähe zum Nationalismus unterstellt werden, muss aber nicht. Vielmehr muss einen jedoch die immer augenscheinlicher werdende Unbedarftheit und schiere Unwissenheit unserer Sicherheitsbehörden in Unruhe versetzen!

Hier der Artikel des HAMBURGER ABENDBLATTES:

http://www.abendblatt.de/hamburg/article209871713/Diese-Gesten-alarmieren-den-Verfassungsschutz.html

Gruß Jörg (Systemkritiker)

PS: In dem Zusammenhang vielleicht auch ganz interessant:

Bedient Cem Özdemir in der Bundesrepublik etwa den türkischen Nationalismus?

denn

Cem Özdemir: Wir brauchen einen deutsch-türkischen TV-Sender

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/cem-oezdemir-gruene-wir-brauchen-einen-deutsch-tuerkischen-tv-sender-aid-1.6676735

Aktualisiert am 16.03.2017 um 17:00 Uhr

Die Grauen Wölfe kommen nach Reinach BL

http://www.blick.ch/news/schweiz/basel/tuerkische-rechtsextreme-planen-grossanlass-die-grauen-woelfe-kommen-nach-reinach-bl-id6377508.html

Eigener Kommentar zum Text:

In diesem Text der schweizer Zeitung „Blick“ werden die Grauen Wölfe als dem türkischen Präsidenten nahe stehende Organisation bezeichnet. Das entspricht so erst einmal nicht der Realität. Denn die Grauen Wölfe, eine Teilorganisation der türkischen nationalistischen Partei MHP, sind im Gegensatz zur regierenden konservativ-islamische AKP von Tayyip Erdogan, zuvorderst eine stark laizistisch geprägte Bewegung! Freilich gab es in der Vergangenheit, ich hatte darüber hier auf dem Blog auch schon geschrieben, bereits diverse Verknüpfungspunkte zwischen den Grauen Wölfen und islamischen Verbänden z. B. in Deutschland. Sie allein deshalb aber generell als Präsident Erdogan nahe stehend zu bezeichnen greift nun wirklich zu kurz. Dsbzgl. wäre dem diesen Blick-Artikel zu verantwortende Journalist anzuraten, künftig genauer zu recherchieren!

Gruß Jörg (Systemkritiker)

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